Die Jungfraubahn - ein Pionierwerk

Im Jahr 1912 wurde die Jungfraubahn eröffnet, ein Pionierwerk unter den Bergbahnen. Die Zahnradbahn befördert Gäste von der Kleinen Scheidegg auf das Jungfraujoch - Top of Europe, das sich auf 3454 Meter über Meer in einer Welt aus Fels, Eis und Schnee befindet. Die Reise führt zum höchstgelegenen Bahnhof Europas. Von der neun Kilometer langen Strecke liegen sieben Kilometer im Tunnel, wobei die Bahn die Berge Eiger und Mönch durchquert. Bei den Zwischenstationen Eigerwand und Eismeer halten die Züge fünf Minuten lang und die Besucher können durch Aussichtsfenster schauen und die faszinierende Bergwelt bewundern. Die Jungfraubahn überwindet 1400 Höhenmeter. Eine Fahrt dauert rund 50 Minuten.

1893 Vision & Planung

Am 20. Dezember 1893 bewarb sich der Industrielle Adolf Guyer-Zeller um eine Konzession für eine Zahnradbahn, die an der Bahnstation der Wengernalpbahn (WAB) auf der Kleinen Scheidegg beginnen und in einem langen Tunnel durch das Massiv von Eiger und Mönch bis hinauf auf den Gipfel der Jungfrau führen sollte. Am 21. Dezember 1894 erteilte das Parlament diese Konzession. Guyer-Zeller plante von Anfang an einen elektrischen Betrieb für die Jungfraubahn und sicherte sich daher die Wasserrechte an beiden Lütschinen. Am 10. Juni 1896 erhielt er die Konzession zum Bau der Kraftwerke.

1896 Baubeginn

Am 27. Juli 1896 erfolgte der Spatenstich zum Bau der Jungfraubahn. Trotz des Anschlusses an die Wengernalpbahn wählte man eine andere Spurweite (1000 mm statt 800 mm), eine andere Zahnstange (System Strub anstelle System Riggenbach) und Drehstrom anstelle von Wechselstrom, da dieser mehr Leistung und höhere Sicherheit versprach. Die Bauarbeiten gingen nur mühsam voran. Am 19. September 1898 konnte der Betrieb auf der im freien Gelände verlaufenden Strecke von der Station Kleine Scheidegg bis zum Bahnhof Eigergletscher am Fusse des Eigers eröffnet werden. Zur Einweihung der Station Eigergletscher hielt der Grindelwalder "Gletscherpfarrer" Gottfried Strasser eine Bergpredigt. Guyer-Zeller sah vor, jedes Jahr eine weitere Station zu erreichen und diese so schnell wie möglich in Betrieb zu nehmen.

1899 Jedes Jahr eine Station mehr

Am 7. März 1899 erfolgte der Durchstich bei der Station Rotstock, die nur vorübergehend bedient wurde. Die Stationsanlagen sind heute grösstenteils abgebaut. Einzig eine Türe die dort ins Freie führt, erinnert heut noch an diese Station. Am 7. März 1899 erreichte die Spitze der Tunnelbauer den vorgesehenen Standort der Station Eigerwand. Am 3. April des gleichen Jahres starb Adolf Guyer-Zeller, die treibende Kraft der Jungfraubahn. Guyer-Zellers Söhne führten den Bau fort, aber erst am 28. Juni 1903 konnte der Betrieb bis zur Station Eigerwand (2865 m.ü.M.) inmitten der Eigernordwand eingeweiht werden. Von nun an konnten die Reisenden von der Terrasse aus den Ausblick Richtung Grindelwald geniessen. Zwei Jahre später, am 25. Juli 1905, konnte die Strecke bis zur Haltestelle Eismeer auf rund 3'160 Meter über Meer in Betrieb genommen werden und den Gästen eröffnete sich eine wunderbare Aussicht über die Gletscher. An der Station Eismeer befand sich das vorläufige Touristenzentrum der Bahn. Aufgrund der knapp gewordenen Finanzmittel sowie dem Tod von Adolf Guyer-Zeller wurden die ursprünglichen Pläne abgeändert. Statt unter dem Mönchsjoch eine Haltestelle einzuplanen und die Bahn bis zum Gipfel der Jungfrau zu bauen, wurde das Jungfraujoch zur Endstation.

1912 Jungfraujoch - Top of Europe

Die Geschichte des Baus der Jungfraubahn ist geprägt von Sprengunglücken, Streiks und finanziellen Problemen. Erst 1912 wurde die Strecke bis zum Jungfraujoch, das sich auf 3454 Meter über Meer befindet, fertiggestellt - neun Jahre später als ursprünglich geplant. Bemerkenswert ist, dass der Streckenabschnitt Eismeer - Jungfraujoch sowohl im Adhäsionsbetrieb als auch im letzten Abschnitt kurz vor dem Jungfraujoch mit Zahnradbetrieb befahren wurde. Daher mussten spezielle Reibungs- und Zahnradlokomotiven beschafft werden. Erst 1951 stellte man die ganze Strecke auf durchgehenden Zahnradbetrieb um, dies erleichterte die Betriebsführung.