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Loks reparieren wie einst

Im Winter revidieren die Lokführer der Schynige Platte-Bahn das historische Rollmaterial. Dabei wenden sie Methoden an wie vor hundert Jahren.

Samuel von Känel fasst den langen Stiel der Eisenpfanne mit beiden Händen. Er hievt sie von der Esse und stützt sie auf einer Stange ab, die ihm ein Kollege hinhält. Dies gibt ihm eine ruhige Hand, um die silbrige, blubbernde Flüssigkeit genau in den Schlitz der Giessform zu leeren.

Handgemachte Ersatzteile

Von Känel giesst aus Weissmetall neue Lagerbeschichtungen. Er und seine Kollegen von der Schynige Platte-Bahn (SPB) nutzen den Winter, um die zwölf über hundertjährigen Loks für die Sommersaison fit zu machen. Jede ist anders. Weil keine Ersatzteile zu bekommen sind, stellen die Mitarbeiter sie in Wilderswil selbst her und pflegen damit handwerkliche Traditionen, die anderswo längst ausgestorben sind. 

Erfahrung ist der beste Lehrer

Sie haben inzwischen rund 20 verschiedene Gussformen hergestellt. Wie, hat von Känel von seinen älteren Kollegen gelernt. Jedes Jahr lernt er dazu. Ein Lehrbuch besitzt die SPB nicht. Erst kürzlich hat man angefangen, Arbeitsblätter für Vorgänge zu schreiben, die unverändert bleiben sollen. 

Selber erfinden statt kaufen

Nicht immer können von Känel und seine Kollegen auf Erfahrung bauen. Ein Originalteil kann hundert Jahre funktionieren. Gibt es plötzlich den Geist auf, müssen sie improvisieren. Das defekte Stahlgehäuse einer Pendelachse zum Beispiel haben sie durch eine geschweisste Konstruktion ersetzt: Stahl schmelzen kann man in der kleinen Werkstatt nicht.

Zehn bis zwölf Arbeitsgänge

Während das Weissmetall in der Gussform fest wird, löst von Känel aus einer anderen ein Lager mit einer bereits erhärteten Beschichtung. Noch ist die Oberfläche uneben. Er schabt sie mit einem löffelartigen Spachtel aus, bis sie ganz glatt ist. Zehn bis zwölf Mal prüft er, wie das Lager an der Welle sitzt. Je nach Lok muss er die Welle dazu wieder einsetzen und ein Stück fahren. 

Zu kurzer Winter

Das alles braucht Zeit. So viel, dass sich von Känel manchmal wünscht, der Winter dauere länger. Aber irgendwie werden er und seine Kollegen immer fertig. Die historischen Wagen fahren pünktlich zur Sommersaison wieder auf die Schynige Platte.