Bahnen über alle Berge

Sie schweben über Schluchten, durchqueren Tunnels und überwinden Höhenmeter: Verschiedenste Bahntypen machen die Jungfrauregion zum Erlebnis. Hier das schönste Exemplar jeder Gattung.

Standseilbahnen gehören zu den energieeffizientesten Bergbahnen: Zwei Wagen auf Schienen sind über ein Drahtseil gekoppelt und halten sich gegenseitig im Gleichgewicht. Damit sie in Fahrt kommen, ist nur gerade so viel Energie nötig, dass sie aus dem Gleichgewicht kommen.

Dafür setzte man zunächst Wasser ein. Bei den Wasserballastbahnen liess der herunterfahrende Wagen Wasser ab, der hochfahrende nahm Wasser auf. Weil Wasserballastbahnen aber aufwendig zu warten waren, wurden die meisten stillgelegt oder elektrifiziert.

Eiger, Mönch und Jungfrau tauchen auf

Die Initianten der 1908 eingeweihten Standseilbahn auf den Aussichtsberg Harder setzten von Beginn an auf Strom. Und sie nahmen Rücksicht auf die Landschaft: Das 1447 Meter lange Trassee der Harderbahn führt nicht in gerader Linie auf Harder Kulm, sondern in einem Bogen. Vom Tal aus ist die bis zu 64 Prozent geneigte Fahrbahn deshalb kaum zu sehen. Umso eindrücklicher ist die Aussicht durchs gläserne Dach der Panoramawagen: Zunächst zeigen sich nur die Spitzen von Eiger, Mönch und Jungfrau, doch mit jedem der 755 Höhenmeter «wachsen» die Gipfel.

Zahnradbahnen: Zahn für Zahn, Berg um Berg

Mit der Eisenbahn auf den Berg? Noch Mitte des 18. Jahrhunderts schien das aussichtslos. Die Räder hafteten schlecht auf den Schienen, wenn es steil wurde. Doch dann entwickelte der Schweizer Ingenieur Niklaus Riggenbach ein System, dank dem Züge klettern lernten. 1863 erhielt er das Patent auf sein Leiterzahnstangensystem. Er platzierte eine Zahnstange zwischen den Schienen, so dass ein Zahnrad in die Räume zwischen den Querstreben greifen konnte.

In der Jungfrauregion fahren mehrere Bahnen mit dem System Riggenbach, zum Beispiel die Wengernalpbahn. Sie ist mit 19,2 Kilometern die weltweit längste durchgehende Zahnradbahn und verbindet seit 1893 Grindelwald, Lauterbrunnen und Wengen mit der Kleinen Scheidegg. Für eine Zahnradbahn ist sie dabei ganz schön schnell: Die neuesten Triebwagen erreichen auf der Bergstrecke 28 km/h. Etwas langsamer geht es bergab!

System Strub: Ein Fall für die ganz steilen Hänge

So bahnbrechend Riggenbachs Erfindung war, sie hatte auch Nachteile. An den ganz steilen Stellen konnte es passieren, dass die Wagen «aufkletterten» und zu entgleisen drohten. Glücklicherweise fand Riggenbachs Schüler Emil Strub einen Ausweg. Seine Zahnstangen mit eingefrästen Zähnen kommen auch mit extremen Steigungen klar und passen sich besser an verschiedene Kurvenradien an.

Das war die Lösung für die Jungfraubahn. Strub gewann 1896 Adolf Guyer-Zellers Wettbewerb für Bau und Betrieb der Bahn. Dank Strub, dem ersten Direktor der Jungfraubahn, überwindet sie Steigungen von bis zu 250 Promille.

Luftseilbahnen: Schwebende Schwergewichte

Die erste personenbefördernde Luftseilbahn der Schweiz entstand in – Grindelwald. Die Idee dazu hatte der Kölner Regierungsbaumeister Wilhelm Feldmann. Seine Vision, das Wetterhorn zu erschliessen, endete allerdings bei der ersten Sektion und mit dem Ausbruch des Krieges 1914. Zuvor hatte sie mit zwei 16-plätzigen Kabinen aber bis zu 110 Personen pro Stunde befördert.

Knapp hundert Jahre später entstand die derzeit jüngste Luftseilbahn der Region. Sie benötigt für die Fahrt von Lauterbrunnen zur Grütschalp lediglich vier Minuten und hat gewaltige Kapazitäten. Die Windenbahn mit einer Kabine kann hundert Personen befördern, plus sechs Tonnen Güter. Damit kommt sie bei voller Belastung auf ein Gesamtgewicht von rund 26 Tonnen.