Geschäftsbericht Jungfraubahn Holding AG 2011

Auszug aus dem Jahresbericht 2011 der Jungfraubahn Holding AG  
Wichtige Hinweise:
Der vorliegende Auszug aus dem offiziellen Geschäftsbericht wurde speziell für die Präsentation im Internet erstellt. Es handelt sich um eine stark gekürzte Version. Bitte beachten Sie, dass sich die Genehmigungsanträge /  beschlüsse des Verwaltungsrates und der Generalversammlung auf die ungekürzte, gedruckte Version in deutscher Sprache beziehen. Nur dieser kommt Verbindlichkeit zu. Der vollständige Bericht (in Deutsch) kann mit dem unten stehenden Link heruntergeladen werden.
Die Berichterstattung ist stellenweise mit einem Blick auf mittel- und längerfristige Erwartungen verbunden. Alle auf die Zukunft bezogenen Aussagen beinhalten Unsicherheiten. Sie sind Projektionen, welche die Sicht der heutigen Entscheidungsträger reflektieren. Die tatsächlichen zukünftigen Ereignisse und Entscheide können insbesondere auf dem Hintergrund veränderter Umweltbedingungen anders ausfallen. Alle zukunftsbezogenen Aussagen basieren auf Fakten, wie sie zum Zeitpunkt des Erstellens des Berichtes im März 2011 vorlagen.
-----------------------------------------------------------------
Sehr geehrte Aktionärinnen und Aktionäre, geschätzte Damen und Herren Wir können Ihnen von einem erfolgreichen Geschäftsjahr berichten. Mit der Diversifikation in weniger saisonal ausgerichtete asiatische Märkte und mit erfolgreichen Aktionen mit bewährten Partnern gelingt es uns, die Perioden ausserhalb der Hochsaison immer besser auszulasten. Bereits im April verzeichneten wir einen eindrücklichen Tagesschnitt von 1200 Gästen. An elf Tagen hiess es im Sommer: «Jungfraujoch mit 5000 Gästen ausverkauft!», und auch im sonst so stillen November waren durchschnittlich immer noch 1150 Besucher auf dem Jungfraujoch anzutreffen. Über das gesamte Jahr 2011 zusammengezählt ergab dies eine neue Rekordbesucherzahl von 765 000 Personen. Damit war der wichtigste Grundstein für einen Verkehrsertrag der gesamten Gruppe von CHF 110 Mio. gelegt. Da im wichtigsten Geschäftsfeld, Jungfraujoch – Top of Europe, die Durchschnittsfahrpreise gehalten werden konnten, resultierte mit CHF 25,4 Mio. das beste Konzernergebnis seit Bestehen der Jungfraubahn Holding AG.
Derzeit können wir das 100-Jahr-Jubiläum der Jungfraubahn feiern. Am 21. Februar 1912 sprengten sich die Mineure mit einer riesigen Sprengladung am Ende des 7,2 km langen Tunnels ins Freie, das Jungfraujoch war erreicht! Die Bekanntheit unseres wichtigsten Ausflugsziels wird aufgrund der Jubiläumsaktionen und -aktivitäten weiter steigen. Dabei wird das Jungfraujoch gerade auch im Inland als ein Wahrzeichen unseres Landes in Erinnerung gerufen, das man seinen Gästen zeigen will und das man immer wieder auch selber besuchen möchte.
Für uns ist es eine schöne und wichtige Aufgabe, den Erwartungen der stets steigenden Anzahl von Gästen gerecht zu werden. Nur mit deren Zufriedenheit sichern wir die Weiterempfehlung, und nur so bleiben unsere Angebote in den Katalogen der Reiseanbieter. Mit der ästhetischen Auffrischung der Ankunftshalle und der gesamten Signalisation, mit dem Bau eines bequemen Rundgangs, inszeniert als «Alpine Sensation», konnten wir den Erlebniswert des Jungfraujoch – Top of Europe für die steigende Zahl von Besuchern erhalten. Diese Bestrebungen setzen wir mit der Idee fort, eine bisher von der Swisscom betriebene Richtfunkstation künftig touristisch zu nutzen. Ein Umbau auf 3700 Metern über Meer auf dem exponierten Ostgrat der Jungfrau ist technisch schwierig und erfordert aus ästhetischer und ökologischer Sicht viel Feingefühl. Daher erteilten wir fünf bekannten Architekturbüros der Schweiz einen Studienauftrag, der höchste architektonische Qualität und Naturverträglichkeit sicherstellen wird.
Die Geschäftsfelder sorgen für eine wirtschaftliche Ausgewogenheit und Breite des Angebots
Wir haben das Zusammenspiel und den Ausgleich der einzelnen Segmente unseres Unternehmens in den letzten Jahren als eine unserer Stärken identifiziert und weiter ausgebaut. Die Gruppe ist in drei Bereichen tätig:
1. Jungfraujoch – Top of Europe:
Der Ausflug mit Wengernalpbahn und Jungfraubahn auf das Jungfraujoch ist Kern unseres Angebots und das «strategische Herzstück» des Unternehmens.
2. Wintersport:
Die Wintersportanlagen in den Gebieten Kleine Scheidegg und Grindelwald-First sind in den Abonnementsverbund JUNGFRAU Ski Region integriert. Zusammen mit Partnerunternehmen führen wir im Auftrag und unter Aufsicht des Verbundes eines der bedeutendsten Skigebiete der Schweiz.
3. Erlebnisberge:
Natur- und Attraktionspunkte im Umfeld des Jungfraujoch – Top of Europe, namentlich Grindelwald-First, Harder Kulm und Winteregg-Mürren sind beliebte Ausflugsziele, die interessante Kombinationen (Ferienpässe, Crossmarketing) ermöglichen und den Erlebniswert der Region steigern.
Während das Jungfraujoch – Top of Europe unser ertragsstärkstes Segment darstellt, bilden die beiden Geschäftsfelder Wintersport und Erlebnisberge bedeutende Ergänzungen. Sie stellen die Einbettung unseres Geschäfts in das touristische Gesamtangebot der Region sicher. Mit dem Entschluss, alle drei Bereiche unter dem gemeinsamen Dach zu halten, ist die Absicht verbunden, die sich aus der Verknüpfung ergebenden Synergiepotenziale in Führung und Betrieb bestmöglich auszuschöpfen. Der Wintersport ermöglicht mit seinem Deckungsbeitrag den Betrieb der Wengernalpbahn und damit des Jungfraujochs während des ganzen Jahres. Damit erreichen wir einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Anbietern, die saisonalen Einschränkungen unterliegen. Details zu diesen drei Segmenten finden Sie im gedruckten Geschäftsbericht ab Seite 10 (nur in Deutsch).
Geschäftsgang
Das wirtschaftliche Umfeld war 2011 von einem starken Anstieg des Schweizer Frankens geprägt. Dieser Höhenflug konnte durch die Nationalbank wieder etwas korrigiert werden. Allerdings stabilisierte sie den Eurokurs auf einem für unser Geschäft immer noch sehr herausfordernden Niveau. Für unsere asiatischen Gäste auf Europareise zählt indessen primär das Verhältnis ihrer Heimwährung zum Euro. Insgesamt wurde für sie das Reisen nach Europa billiger. Im Geschäftsfeld Jungfraujoch konnte die Nachfrage aus Asien die Rückgänge aus europäischen Märkten kompensieren. In den beiden anderen Geschäftsfeldern Erlebnisberge und Wintersport waren die Auswirkungen der Währungsrelationen spürbar. Sie werden sich hier im kommenden Jahr sogar deutlich auf den Umsatz auswirken. Insgesamt erweist sich jedoch die Breite unserer Geschäftsfelder und Angebote als eine Stärke, sodass wir Schwankungen aus externen Einflüssen ausgleichen können.
Da vom guten Transportgeschäft insbesondere zum Jungfraujoch auch die Nebengeschäfte profitierten und unser eigenes Kraftwerk mit erneuerter Produktionsanlage mit einem Effizienzgewinn von rund 40% ans Netz gehen konnte, erreichte die Gruppe schliesslich einen bisher unerreichten Umsatz von CHF 148 Mio. Auf der anderen Seite ist auch der Betriebsaufwand gegenüber dem Vorjahr um 5,4% angestiegen. Der anhaltend gute Geschäftsgang erforderte mehr personelle Ressourcen. Im Bereich der Informatik wurden zusätzliche Kapazitäten, vornehmlich für den Direktverkauf über Internet, aufgebaut. Es sind auch höhere Energiekosten angefallen, die allerdings durch die neue Möglichkeit, aufgrund des Programms zur kostendeckenden Einspeisevergütung die gesamte Produktion des Kraftwerks zu einem Fixpreis zu verkaufen, auf der Einnahmenseite mehr als kompensiert wurden.
Schliesslich resultierte eine gegenüber dem Vorjahr verbesserte EBIT-Marge von 21,0%, ein Cashflow von CHF 51,5 Mio. und wie erwähnt das beste Ergebnis in der Geschichte unserer Unternehmung. Der Jahresgewinn von CHF 25,4 Mio. ergibt eine Umsatzrendite von 17,2%.
2011 war ein Jahr mit überdurchschnittlich hohen Investitionen. Insgesamt wurden CHF 45 Mio. in die Modernisierung unserer Anlagen und Erweiterung unserer Angebote investiert. Mit der Erneuerung der Energieproduktionsanlage in unserem Kraftwerk in Lütschental und dem Doppelspurausbau der Wengernalpbahn oberhalb Wengens konnten zwei Grossprojekte mit einem Investitionsvolumen von je rund CHF 10 Mio. erfolgreich abgeschlossen und in Betrieb genommen werden. Im Bereich Wintersport wurden rund CHF 7 Mio. investiert, darunter insbesondere in die Übernahme der Sesselbahn Lauberhorn und die Erweiterung der technischen Beschneiung. Mit dem inszenierten Wanderweg «Jungfrau-Eiger-Walk» vom Eigergletscher zur Kleinen Scheidegg und der Aussichtsplattform «Zweiseensteg» auf dem Harder erweiterten wir unsere Erlebnisangebote, welche zur eigenständigen Positionierung unserer Ausflugsziele beitragen. Die Konzernbilanz per 31.12.2011 zeigt ein grundsolide finanziertes Unternehmen. Es kommt ohne verzinsliche Schulden aus. Die Sachanlagen machen 90% der Bilanzsumme aus.
Finanzielle Zielgrössen
Die strategischen Finanzziele der Gruppe widerspiegeln die Orientierung an langfristigen Zielen und die Politik eines wertorientierten Unternehmens. Die wichtigsten Grössen, welche die Finanzplanung der Gruppe bestimmen, sind Ertragsziele und auf den Free Cashflow ausgerichtete Ziele:
Umsatzrendite >= 12%
EBIT-Marge >= 15%
Investitionen/Cashflow < 50%
Payout-Ratio 33% bis 45%
Summe Free Cashflow 2004 bis 2013 >= CHF 130 Mio.
Eigenfinanzierungsgrad > 70%
Erneut hat die Gruppe die Ertragszielsetzungen übertroffen. Die Umsatzrendite betrug 17,2%, die EBIT-Marge erreichte 21,0%. Im Rahmen der Etappierung wird in den Jahren 2011 und 2012 über den langfristigen Vorgaben investiert. 2011 waren das 79,5% des Cashflows. Über die Planperiode bis 2016 wird der strategisch angepeilte Durchschnitt von 50% jedoch weiterhin eingehalten. Mit der beantragten Dividende von CHF 1.80 pro Aktie beträgt die Payout-Ratio 41,3%. Die kumulierten Free Cashflows liegen nach acht Jahren mit CHF 152,7 Mio. bereits über der langfristigen Zielsetzung für die Jahre 2004 – 2013 von CHF 130 Mio. Der Eigenfinanzierungsgrad beträgt 77,7%.
Ausblick ins Jubiläumsjahr 2012
Der Buchungsstand lässt auf eine weiterhin grosse Nachfrage aus den asiatischen Märkten schliessen. In Japan und insbesondere in Korea zeichnet sich eine Konsolidierung auf hohem Niveau ab. Sehr erfolgversprechend entwickeln sich der indische und chinesische Markt. Wir sind bestrebt, in vielen anderen Ländern, vorab im asiatischen Raum, weiter Fuss zu fassen. Letzteres ist insbesondere in Bezug auf die Auslastung der Vor- und Nachsaison Erfolg versprechend. Mit den Investitionen, die wir gezielt auf das Jubiläumsjahr auf das Jungfraujoch fokussiert haben, konnte die Qualität unseres Premium-Angebots nochmals markant gesteigert werden. Der Kunde profitiert direkt von diesem Mehrwert.
Das bereits hinter uns liegende Wintergeschäft war aufgrund des starken Schweizer Frankes herausfordernd. Letztlich reisten aus den Ländern des Euroraums deutlich weniger Gäste in die JUNGFRAU Ski Region als in den Jahren zuvor. Die Schweizer verbrachten ihre Winterferien vermehrt im Ausland. Dieser Trend wird voraussichtlich auch im Sommer zu beobachten sein und sich bei den Abonnementsverkäufen für Feriengäste und bei den Einnahmen im Tagesausflugsverkehr entsprechend auswirken.
Zuversichtlich stimmt dagegen, dass die Jungfraubahn im Jahr 2012 ihr 100-jähriges Bestehen feiert. Über 80 Aktionen und Anlässe sind bereits im Gang oder für das Jubiläumsjahr geplant. Wir sind überzeugt, dass das weit herum Aufmerksamkeit erzeugt und dass wir dadurch zusätzliche Gäste begrüssen können. Wir sind entsprechend zuversichtlich, die Rückgänge, die wir aufgrund der Währungsrelation im Segment der Erlebnisberge einrechnen müssen, mit dem Jungfraujoch – Top of Europe kompensieren zu können.
erstellt: 29.03.2010
veröffentlicht: 18.04.2010

Alle Meldungen