Eisabbruch am Eiger erfolgt – Absperrungen aufgehoben

Die Gefahr durch grosse Eisabbrüche beim Hängegletscher an der Eiger Westflanke ist gebannt. In den letzten 24 Stunden sind knapp 20‘000 m3 Eis in verschiedenen Abbrüchen abgestürzt. Die vorsorglichen Sicherheitsabsperrungen konnten aufgehoben werden.

Die labilen und absturzgefährdeten Eismassen am Hängegletscher in der Eiger Westflanke sind in den letzten Stunden in einzelnen, kleineren Teilabbrüchen abgestürzt. Die Bewegungen des Gletschers sind auf die normalen Werte gesunken. Die Infrastrukturanlagen im Bereich Eigergletscher waren durch die Abbrüche nicht betroffen. Ab sofort sind wieder alle Wanderwege offen, die vor-sorglichen Sperrungen wurden aufgehoben.

Früherkennung dank Überwachungssystem
Der aktuelle Eisabbruch war mit rund 20‘000 m3 prognostiziert worden. Ereignisse dieser Grössenordnung kommen erfahrungsgemäss rund einmal pro Jahrzehnt vor. Das Ereignis konnte im vorliegenden Fall rechtzeitig erkannt werden: Seit März 2016 ist ein modernes Überwachungssystem im Einsatz. Ein interferometrisches Radarsystem misst permanent die Geschwindigkeiten des Glet-schers, die sich gemäss Dr. Lorenz Meier, Geschäftsführer der Firma Geopraevent AG, vor etwa zehn Tagen von den üblichen 5 cm pro Tag auf über 60 cm pro Tag erhöht haben. Mit dem gleichen Radar konnten schon im März und im April dieses Jahres mehrere kleinere Abbrüche einige Tage im Voraus erkannt werden. Im Winter steht zudem ein Lawinenradar im Einsatz, welches die Züge der Jungfraubahn bei einer grossen Lawine rechtzeitig an einem sicheren Ort stoppt.
Die Radar-Messungen werden von Glaziologen der Firma Geotest AG regelmässig beobachtet und interpretiert. Die Gefahrenbereiche und zu ergreifende Massnahmen sind in einem Sicherheitsdispositiv festgehalten. Gemäss Geschäftsleiter Daniel Tobler wurden aufgrund der Messdaten am Sonntag die gefährdeten Bereiche bei der Station Eigergletscher aus Sicherheitsgründen gesperrt. Mit dem Rückgang der Geschwindigkeiten nach den Abbrüchen von heute Morgen konnte die Sperrung wieder aufgehoben werden.

Normale Erscheinung
Gemäss Prof. Martin Funk von der Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie (VAW) an der ETH Zürich ereignen sich vom Hängegletscher an der Westflanke des Eigers regelmässig Eisabbrüche und Eislawinen. Im Gegensatz zu Schneelawinen können Eislawinen zu jeder Jahreszeit vorkommen. Ein Eisabbruch entsteht, wenn ein Teil des Hängegletschers abbricht und bergab stürzt. Bei solchen hochgelegenen Hängegletschern wie am Eiger sind Eisabbrüche ganz normale Erscheinungen. Kleine Abbrüche erfolgen häufiger als Grosse. So kommen Ereignisse mit ein paar tausend Kubikmetern Eis mindestens einmal pro Jahr vor. Hingegen sind Ereignisse ab 10'000 m³ Volumen seltener. Der letzte grosse Abbruch mit nahezu 100'000 m³ Eis geschah im August 1990.