V-Bahn-Meilenstein mit Start des Seilzugs für den Eiger Express

Plangemäss hat der Seilzug für den Eiger Express am 30. April 2020 starten können. Der Seilzug ist einer der wichtigsten Meilensteine im Generationenprojekt V-Bahn, das die Jungfraubahnen mit der Gondelbahn Grindelwald-Männlichen (GGM) realisieren. Dank Einhaltung aller Vorgaben bezüglich Hygiene und Distanzregeln wegen COVID-19 befinden sich alle Arbeiten auf den Baustellen im Zeitplan. Die Eröffnung findet im Dezember 2020 statt.

Beim Eiger Express handelt es sich um die weltweit schwerste je gebaute 3S-Bahn. Die grosse Höhendifferenz von 1385 Metern und die Länge der Bahn mit 6480 Metern erfordert sieben Streckenstützen und Tragseile von einem Durchmesser von 58 Millimeter. Die Seilzugarbeiten werden rund 15 Wochen Arbeit in Anspruch nehmen.

Jungfraubahnen-Direktor Urs Kessler erklärte am Donnerstag: «Es ist erfreulich zu sehen, dass das Gesamtprojekt V-Bahn mit den Baustellen beim Eigergletscher, in Grindelwald Grund und nun mit dem Seilzug für den Eiger Express wieder im Zeitplan ist. Das gelang dank des grossen Einsatzes aller Beteiligter. » Die pünktliche Fertigstellung dieses Projekts als positiver Impuls für die gesamte Jungfrau Region und den Kanton Bern sei extrem wichtig, so Kessler weiter.

Verschiedene Seile und Hilfsstützen

Der eigentliche Seilzug beginnt mit einem leichten Kunststoffseil mit enormer Zugfestigkeit. Dieses wird mittels Helikopter über die Strecke auf die Stützen gelegt. Am unteren Ende dieses Kunststoffseiles wird ein erstes Litzenstahlseil mit einem Durchmesser von 32 Millimetern und einem Gesamtgewicht von 26 Tonnen befestigt.

Dieses Stahlseil dient nun wieder als Vorseil um ein weiteres Litzenstahlseil nun mit einem Durchmesser von 48 Millimetern und einem Gesamtgewicht von 60 Tonnen über die Strecke zur Bergstation hochzuziehen. Da die Vorseile dünner sind, können diese beim Seilzug nicht so straff gespannt werden wie das letztlich eingebaute Tragseil. Dies führt dazu, dass auf der Strecke Hilfsstützen montiert werden, welche das schlaffe Vorseil über den Bäumen des Waldes, Strassen und der Zahnradbahn halten. Um möglichst wenige dieser Hilfsstützen aufstellen zu müssen, werden die Seile am Berg mittels einer Seilzugmaschine gezogen und im Tal mittels Zeck-Winde gleichzeitig gebremst.

Mit dem 48 Millimeter dicken Vorseil wird nun das für den Endzustand erforderliche Tragseil mit einem Durchmesser von 58 Millimetern und einem Gesamtgewicht von 131 Tonnen eingezogen. Das Tragseil wird in der Bergstation durch die Station gezogen um Reservelängen für das Aufwickeln auf dem Seilpoller zu erhalten.

Lange Vorarbeiten und zeitraubender Seilzug

Dieser aufwändige Vorgang wird viermal wiederholt bis alle vier Tragseile (zwei Seile für die Spur links und zwei Seile für die Spur rechts) eingezogen und verankert sind. Nun ist die Fahrbahn für die neue Bahn erstellt. Bevor das Zugseil eingezogen wird, werden anstelle der Hilfsstützen die Zugseil-Zwischenaufhängungen auf der Strecke zwischen den Tragseilen montiert. Die Zwischenaufhängungen tragen das Zugseil mittels Seilrollen.

Erst jetzt wird das umlaufende Zugseil mit einem Durchmesser von 56 Millimetern eingezogen. Das durchlaufende Seil dient dazu die Kabinen zu bewegen. Das Zugseil ist so schwer, dass es in zwei Stücken produziert und nach Grindelwald transportiert wurde. Damit das Zugseil genügend Grundspannung besitzt, wird es in der Talstation über ein Spanngewicht von 26 Tonnen gespannt.

Für den Seilzug erfolgten die Vorarbeiten bereits während Monaten. Die rund 400 Tonnen an Montagewerkzeug beinhalten Seilwinden, Schutzgerüste für Bahn- und Strassenquerungen und Hilfsstützen. In mehreren Schwertransporten wurden die vier Tragseile und das Zugseil nach Grindelwald transportiert.

Ausblick V-Bahn

Gemeinsam mit der Gondelbahn Grindelwald-Männlichen (GGM) realisieren die Jungfraubahnen das Generationenprojekt V-Bahn zur langfristigen Sicherung der touristischen Zukunft der gesamten Jungfrau Region. Der offizielle Spatenstich zum 470 Millionen Franken Projekt V-Bahn war am 3. Juli 2018 erfolgt.

Die Bauarbeiten sind weiterhin auf Kurs und die Gesamteröffnung der V-Bahn kann im Dezember 2020 gefeiert werden. Im Terminal in Grindelwald Grund laufen die Innenausbauarbeiten weiter. Die Rohbauarbeiten am Parkhaus werden Ende Juli fertig. Anschliessend erfolgt der Innenausbau. Am Eigergletscher konnten die Betonarbeiten abgeschlossen werden. Auch da gehen nun die Innenausbauarbeiten weiter, sowohl bei der Bergstation des Eiger Expresses als auch beim neuen dritten Geleise für die Jungfraubahn.